Was tun nach einem Unfall? Was bedeutet …?
Tipps von Kfz-Gutachter Hans-Jürgen Seidel, Berlin-Rudow

Ein Unfall ist immer ein einschneidendes Erlebnis – eine Erfahrung, die die meisten von uns zum Glück nur selten machen müssen. Da fällt es hinterher oft schwer, die Gedanken zu sortieren und das Richtige zu tun. Gerne gebe ich Ihnen daher wichtige Hinweise für die ersten Schritte, die Sie unternehmen sollten und erläutere Ihnen wichtige Begriffe rund um die Schadensregulierung.
 

Verhalten nach einem Unfall

  • Sichern Sie als erstes die Unfallstelle mit ab: Schalten Sie die Warnblinkanlage ein und stellen Sie das Warndreieck auf.
  • Leisten Sie dann Erste Hilfe. Rufen Sie den Notarzt unter Telefon 112, wenn dies notwendig ist.
  • Rufen Sie danach die Polizei unter Telefon 110, falls erforderlich.
  • Bemühen Sie sich schließlich um Unfallzeugen. Klären Sie: Was haben diese gesehen? Notieren Sie dies zusammen mit Namen und Anschrift.
  • Halten Sie die Daten Ihres Unfallgegners fest. Wichtig sind: Name, Anschrift, Kennzeichen, Versicherung und Versicherungsnummer.
  • Fotografieren Sie den Unfallort. Achten Sie dabei darauf, sowohl Aufnahmen aus der Nähe zu machen, die Schäden an den Fahrzeugen zeigen, als auch Fotos aus einer weiter entfernten Position. Diese sollten den Standort der Fahrzeuge deutlich machen und zum Beispiel die Situation auf einer Kreuzung abbilden.
  • Unterschreiben Sie auf keinen Fall ein Schuldanerkenntnis.
  • Bleiben Sie am Unfallort.
  • Rufen Sie uns an unter 030-66098281! Wir sind Ihr Partner, uns können Sie vertrauen. Wir geben Ihnen gleich telefonisch wichtige Tipps, was Sie am Unfallort berücksichtigen müssen!

Übrigens:
Sind Sie unverschuldet an einem Unfall beteiligt, können Sie einen Kfz-Sachverständigen Ihres Vertrauens beauftragen. Nach geltender Rechtsprechung übernimmt die gegnerische Versicherung die Kosten. Fallen Schäden im Rahmen der Kaskoversicherung an, verlangen Sie bitte, dass Ihre Versicherung einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen vom BVSK beauftragt.
 

Wiederbeschaffungswert

Dies ist der Betrag, den ein Geschädigter bei einem seriösen Händler für ein Fahrzeug zahlen muss, das seinem vor dem Unfall vergleichbar ist. Um den Wiederbeschaffungswert zu ermitteln, berücksichtigt der Kfz-Sachverständige alle Faktoren, die den Wert eines Fahrzeugs bestimmen. Hinzu kommt die örtliche Marktlage. Hat das Unfallfahrzeug einen Totalschaden erlitten, bemessen sich die Schadensersatzansprüche am Wiederbeschaffungswert (siehe § 249 BGB).
 

Restwert

Dabei handelt es sich um den Wert eines nicht reparierten Unfallfahrzeugs. Bereits am 04.06.1993 hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass ein Geschädigter sein beschädigtes Fahrzeug zu dem Preis verkaufen darf, den ein unabhängiger Kfz-Sachverständiger ermittelt hat. Dabei muss er sich in der Regel nicht auf höhere Ankaufspreise spezialisierter Restwertaufkäufer verweisen lassen. Entsprechende Angebote muss er nur dann berücksichtigen, wenn er sein Fahrzeug zum Zeitpunkt der Nachricht durch die Versicherung noch nicht verkauft hat.
 

Merkantiler Minderwert

Dies ist der Wert, den ein Geschädigter durch den Unfall beim Verkauf eines fachgerecht reparierten Fahrzeugs weniger erhalten würde. Denn er ist gegenüber dem Käufer verpflichtet, auf den früheren Unfallschaden hinzuweisen. Bei einem unverschuldeten Unfall hat der Geschädigte in der Regel Anspruch auf Ersatz dieser Wertminderung. Dies gilt nach aktueller Rechtsprechung auch bei Fahrzeugen, die älter als fünf Jahre sind oder deren Laufleistung über 100.000 km beträgt. Maßgeblich dafür ist die Schwere der Reparatur. Auszugleichen ist der merkantile Minderwert auch bei fiktiver Abrechnung, bei der der Geschädigte das Fahrzeug nicht reparieren, sondern sich die vom Kfz-Sachverständigen ermittelten Kosten erstatten lässt.
 

Nutzungsausfall

Nutzt ein Geschädigter während der Reparaturzeit keinen Leihwagen, hat er Anspruch auf einen Ausgleich für die entgangene Nutzungsmöglichkeit seines beschädigten Fahrzeugs. Maßgeblich für den Nutzungsausfall ist die Art und Größe des eigenen Fahrzeugs. Den Tagessatz können Sie zum Beispiel der Nutzungsausfallentschädigungstabelle „Sanden, Danner, Küppersbusch“ entnehmen.
 

Fiktive Abrechnung

Ein Geschädigter kann wählen, ob er sein Fahrzeug reparieren oder sich die von einem Kfz-Sachverständigen ermittelte Summe auszahlen lässt. Betragen die Reparaturkosten mehr als 70 Prozent, wird der Restwert vom Wiederbeschaffungswert abgezogen.
 

130-Prozent-Grenze

Auch bei einem Totalschaden kann ein Geschädigter sein Fahrzeug reparieren lassen, wenn die Kosten zuzüglich einer möglichen merkantilen Wertminderung weniger als 130 Prozent des Wiederbeschaffungswertes betragen. Zu berücksichtigen sind dabei allerdings hohe Anforderungen an die Qualität der Reparatur. Diese muss fachgerecht und nach den Vorgaben des Kfz-Gutachters erfolgen. Wird das Fahrzeug nicht in einer Fachwerkstatt repariert, kommt es daher meist zu einer Nachbesichtigung. Überschreiten die Reparaturkosten entgegen der Vorhersage des Sachverständigen die 130-Prozent-Grenze, muss die Versicherung in der Regel dennoch die unfallbedingten Kosten erstatten.